Steinboden mit Herz

Hinterm Tellerrand – Blog

Mit mittlerweile mehr als 8.500 monatlichen Besuchern hat sich meine Homepage im Laufe der Jahre zu einer Adresse entwickelt, die nicht nur vom Fachpublikum, sondern auch von Laien gern aufgesucht wird. Damit es zwischen den Fachpublikationen auch etwas zu lesen gibt, veröffentliche ich hier kleinere Texte nicht nur zur Homöopathie. Viel Spaß beim Lesen!

Fallrätsel 2 - Auflösung

In der vergangenen Woche hatte ich zwei Fußpilz-Patienten. Da die Homöopathie sich nicht nur mit der körperlichen Symptomatik, sondern auch mit dem zugehörigen Geistes- und Gemütszustand beschäftigt und dieser oft ausschlaggebend für die Verschreibung ist (§§ 211, 213 Organon 6. Auflage), haben wir also nicht nur ein Fußpilz-Mittel, sondern viele.

Patient 1 berichtet: „Ich verstehe das gar nicht, ich bin doch sauber! Ich dusche mich täglich, ich wechsele meine Wäsche … das ist so peinlich.“ – „Es juckt den ganzen Tag, und abends auch.“ – „Er hat sich allmählich über die Zehenzwischenräume ausgebreitet.“

 

Auflösung: Auffallend ist die Verbindung, die der Patient zwischen dem Fußpilz und der (für ihn beunruhigenden) Idee knüpft: Ich bin doch nicht schmutzig! Er befürchtet, für unsauber gehalten zu werden. Daraus ergeben sich einige mögliche Rubriken:

 

-          Wahnidee, er sei schmutzig

-          Furcht um seine gesellschaftliche Stellung

-          Beschwerden durch Verlegenheit

-          Sprache – verlegen

-          Heikel, pingelig

 

Zwei Mittel fallen ins Augen: Natrium muriaticum und Vanille. Ich habe mich für Nat-mur entschieden.

 

Patient 2 erzählt: „Ach, den Fußpilz habe ich schon länger. Ich habe ganz vergessen, ihn zu erwähnen. Jeder hat doch mal Fußpilz. Habe ich übrigens erwähnt, dass ich auch eine Warzen unter dem Fuß habe? Ja, die tut beim Gehen weh, aber ich denke mir, sie kam von alleine, da geht sie auch von alleine.“

 

Auflösung: Hier finden wir die Kombination von Gleichgültigkeit gegenüber seinem Zustand und Optimismus. Mögliche Arzneien sind Androctonus, Opium, Stramonium und Taxus baccata. Taxus baccata, die Eibe, war in diesem Fall das heilende Mittel. Rubriken:

 

-          Gleichgültigkeit gegenüber Leiden

-          Gleichgültigkeit gegenüber seinem Zustand

-          Voller Hoffnung

-          Optimistisch


Murphy's Gesetz

Bereits vor einigen Monaten hatte ich eine kurze Reise nach Barcelona geplant, um dort eine Freundin zu besuchen. Die Flugbuchung bei Spanair klappte problemlos. Fliegen wollte ich am Donnerstag, 9. Februar, und zurückkommen wollte ich am Montag, 13. Februar.

 

Eine Woche vor Flugbeginn strichen die spanischen Banken jedoch ihre Spanair-Kredite, so dass Spanair spontan alle Flüge absetzte. Kein Problem: Nun sollte Air France mich nach Barcelona fliegen, wenn auch nicht mehr direkt, sondern über Paris (Hinflug) und Amsterdam (Rückflug).

 

Vier Tage vor dem geplanten Abflug entschieden sich die Air France-Mitarbeiter, dass sie mehr Lohn wollten, und kündigten einen Streik an … leider war auch mein Abflugtag betroffen. Air France empfahl, einen Tag später zu fliegen, also buchte ich um.

 

Am 10. Februar saß ich also im Hamburger Flughafen. Allerdings wartete ich morgens vergeblich auf den pünktlichen Start meiner Air France-Maschine, und weil ich in Paris nur 70 Minuten zum Umsteigen hatte, wurde ich so allmählich nervös. Endlich – mit fast 45 Minuten Verspätung – begann das Boarding; doch dann wurde mein Name ausgerufen. In weiser Voraussicht hatte Air France mich umgebucht; ich flog nun nicht mehr über Paris, sondern über Lyon.

 

Also marschierte ich mitsamt Gepäck hinaus aus der Abfertigung, hin zum Check in, besorgte mir ein neues Ticket, wurde wieder auf Waffen und Sprengstoff geprüft, lief zum Gate für den Flug nach Lyon … der leider nicht pünktlich startete. Und in Lyon hatte ich auch nur eine Stunde zum Umsteigen.

 

Ich fragte also eine Stewardess, wie meine Chancen stünden, meinen Anschlussflug nach Barcelona zu verpassen. Die Stewardess antwortete, sie würde auch nach Barcelona fliegen: Ich solle mir keine Gedanken machen, und sie behielt mit dieser Einschätzung recht. Nach 12 Stunden Reisezeit landete ich dann schließlich doch noch in Barcelona.

 

Drei Tage später, also gestern, saß ich wieder im Flughafen. Während ich bereits in der Boarding-Schlange nach Amsterdam stand, wurde ich herausgewunken: Aufgrund einer Bombendrohung seien einige Terminals in Amsterdam geschlossen worden, und mein Weiterflug von Amsterdam nach Hamburg sei gestrichen worden. Man würde aber versuchen, mir eine andere Verbindung zu organisieren. Anderenfalls könnte ich erst am nächsten Tag fliegen.

 

Einige Minuten später händigte mir die nette Mitarbeiterin von Air France meine neuen Tickets aus: Ich flog nun nach München und von dort aus weiter nach Hamburg. Wie schön! dachte ich, doch ich freute mich zu früh. Nachdem ich auch in Barcelona in zweites Mal die Schuhe auf das Tablett gelegt hatte, saß ich im Flugzeug nach München, und noch immer wähnte ich mich in der Illusion, nun sei alles gut.

 

In München nun trieb der Schnee sein Unwesen, weswegen mein Flug nach Hamburg Verspätung hatte. Irgendwann saß ich doch im Flieger, neben mir eine Dame, die mir erzählte, sie hätte bereits im Flugzeug nach Bremen gesessen, hätte aber wieder aussteigen müssen: Der Flug sei wegen des Schneetreibens gestrichen worden. Wir lachten und lehnten uns gemächlich in die warmen Sitze zurück. Zwanzig Minuten später saßen wir im Bus zurück zum Flughafen: Auch dieser Flug war gestrichen worden.

 

Eine weitere Stunde lang dauerte das Umbuchen auf einen Flug am nächsten Tag, und noch eine Stunde der Transfer in ein Hotel. Der Taxifahrer erzählte mir, er hätte mal einen Gast im Auftrag einer Fluggesellschaft von München nach Manchester gefahren: Der Gast sei extra aus China gekommen, um ein Fußballspiel von Manchester United anzusehen, doch dann zwang die isländische Aschewolke die Flugzeuge auf den Boden. Die Fluggesellschaft kostete das Taxi 2.000 Euro. Da ich kein First-Class-Passagier war, würde ich Lufthansa vermutlich nicht überreden können, mich mit dem Taxi nach Hamburg fahren zu lassen … ich checkte also nach Mitternacht im Hotel ein.

 

Ein netter Mitarbeiter gab mir eine Schlüsselkarte, ich schleppte meinen Koffer in den zweiten Stock – auf den emsig fahrenden Fahrstuhl (der all die anderen gestrandeten Fluggäste beförderte) wollte ich nicht warten. Endlich schob ich die Schlüsselkarte in das Lesegerät der Tür … doch die Karte funktionierte nicht. Also wieder runter mit Koffer und Handtasche, neue Karte besorgen, wieder rauf – doch nein, das Glück war mir nicht hold, auch diese Karte verweigerte mir den Zutritt. Runter, meckern, neue Karte, rauf – und: ja! Sie funktionierte.

 

Viereinhalb Stunden später klingelte mein Wecker, und fünfeinhalb Stunden später quälte sich mein Taxi durch den zähen Münchener Verkehr, den man angesichts des Schneefalls allerdings nur schemenhaft erkennen konnte. Mein Taxifahrer bedauerte, dass ich meinen Flug eventuell verpassen würde, doch dann entschied er sich, es vielleicht mit einem Geheimweg zu versuchen: Ich landete doch noch pünktlich im Flughafen.

 

Was ich mir auch hätte sparen können, denn zur Boardingzeit sah ich zwar jede Menge Schnee, aber kein Flugzeug. Ich wartete. Und wartete. Und endlich kam doch noch ein Flieger, und wir durften einsteigen, und als wir dann drinnen saßen, wurden das Flugzeug erst einmal enteist, und dann warteten wir wieder, und dann kam eine Durchsage: Es sei gerade eine Startbahn gesperrt worden, wir müssten uns noch gedulden. „Is’ Recht“, murmelte mein bayrischer Sitznachbar.

 

Dann, endlich, zwei Stunden später: Wir fuhren zur Startbahn! Wir starteten! Und eine Stunde später war ich endlich wieder in der Heimat!

 

Ich weiß nicht, was der liebe Gott mir mitteilen wollte, doch ich erwähne, meinen Sommerurlaub nicht in Spanien, sondern an der Ostsee zu verbringen. Irgendwie hat so ein Autourlaub doch seine Vorteile.


Neu in den Fachtexten: Arsenicum album

Arsenicum album als eines unserer größten Polychreste ist nun in den "Arzneimittelbildern" beschrieben; der Fokus liegt auf der arsenischen Lebensangst.


Arzneirätsel zum Mitraten - Auflösung

Das Bild „Silver Flow 2“ meiner Kollegin Hannah Albert, die sich neben der Homöopathie der Kunst verschrieben hat, zeigt einen direkten Bezug zum gesuchten Arzneimittel. Hannah Albert hat ihr ‚homöopathisches Handwerkszeug“ bei Louis Klein gelernt und praktiziert in Minneapolis im „Hippocrates Center for Holistic Healing“. Link zu weiteren Arbeiten von Hannah: http://mantraart.wordpress.com/current-art/

Es heißt, man solle diese Arznei den Menschen verabreichen, die nicht an Homöopathie glauben. Überhaupt hat diese Arznei ein Glaubensproblem und als Folge eine tief sitzende Angst, die ständiger Begleiter ist. Ein Bewältigungsmechanismus ist die Spaltung, ein anderer das (exzessive) Trinken. Wir finden eine deutliche Verschlechterung durch Kälte, die bisweilen sogar in Furcht außerhalb des (warmen) Hauses gipfelt.

Auflösung
Das gesuchte Mittel ist Petroleum. Petroleum wird aus Erdöl in einem sogenannten „Rektifikationsprozess“ erstellt, einem thermischen Trennverfahren. Rohöl enthält mindestens 500 Komponenten, deren Zusammensetzung je nach der Herkunft des Rohöls sehr unterschiedlich ist, denn Rohöl entsteht durch den Abbau organischen Materials im Faulschlammgrund der Meere unter stetiger Hilfe von anaeroben Bakterien und dem enormen Druck der wachsenden Schlammschicht.

Auf der Suche nach der Herkunft des in der Homöopathie verwendeten Petroleums stieß ich allerdings (ebenso wie viele weitere Kollegen) auf Fragezeichen (… „geistige Verwirrung“ ist eines der Leitsymptome von Petroleum). Hahnemann verwendete für seine Prüfung wahrscheinlich nicht rektifiziertes Rohöl, das eventuell aus Italien stammte. Wahrscheinlich, eventuell: „Verirrt sich in bekannten Straßen“ ist auch ein Petroleum-Leitsymptom.

Gemäß HAB wird „Petroleum mit einer Siedetemperatur zwischen 180 und 220°C verwendet, das durch Rektifikation von Erdöl gewonnen wird“, zu beziehen u.a. bei Remedia und Gudjons.

Petroleum ist eine Arznei, die Hauterkrankungen unterschiedlichster Art heilen kann. Die Petroleum-Haut  …

-    Ist trocken und sieht oft unrein aus
-    Ist empfindlich gegen frische, kalte Luft
-    Entwickelt Geschwüre mit wässrigen, übelriechenden, z.T. blutigen Absonderungen; die Geschwüre jucken, bilden Krusten und können entarten
-    Schmerzt stechend und brennend
-    Entwickelt Pickel, die leicht entzünden und bluten
-    Hat eine Herpes-Neigung
-    Und ist als einziges Mittel genannt in der Verbindung mit Hauterkrankung und Bewegungs-Krankheit (Kinetose).

Auf die letzte Rubrik gehe ich sofort ein, denn sie war es, die mich bei einer 12jährigen Patientin mit Neurodermitis zu Petroleum führte: Das Mädchen konnte abends nicht einschlafen, weil sie einen starken Bewegungsdrang verspürte, der sie schier wahnsinnig machte, und der Bewegungsdrang ging mit starkem Juckreiz einher. Eine weitere Besonderheit dieser Patientin war ihre Art, „sich zu vergraben“ (= Aussage des Vaters): „Schon als Kleinkind verkroch sie sich stundenlang unter dem Bett und verharrte dort regungslos. Auf Rufen reagierte sie nicht.“ Sie vergrub nicht nur sich, sondern auch für sie wertvolle Schätze: Im Seidentuch, das im Kasten liegt, der in der Box liegt, die in der Schublade ist …  womit wir bei der Signatur des Erdöls wären.

Und noch eine wichtige Petroleum-Rubrik fand ich: lebenslange Furcht. Bei meiner Patientin zeigte sich diese Furcht besonders nachts in ihren Träumen: Sie wurde von wilden Tieren gejagt und manchmal auch gefressen, von Klassenkameraden erschossen, von Familienmitgliedern erschlagen. Der Schlaf war also wenig erquicklich. Und immer gab es einen Zusammenhang zwischen der Verschlimmerung der Haut und den Träumen.


Fallrätsel aus der Praxis - zum allgemeinen Mitraten!

(Auflösung: siehe unten)

Eine vollkommen erschöpfte, ausgelaugte Patientin berichtet von den ständigen Streitereien mit ihrem Mann: „Ich komme einfach nicht gegen ihn an. Er ist verbal so stark, dass er jeden unter den Tisch redet. Dabei behauptet er immer, er wolle, dass wir die wichtigen Entscheidungen gemeinsam treffen.“ Aktuell betrifft die wichtige Entscheidung die Anschaffung eines neuen Autos.
Der Ehemann der Patientin spricht mich bei der Abholung seiner Frau an. Nachdem er (ungefragt) mitgeteilt hat, welche seiner Ansicht nach falschen Denkmuster seine Frau hätte, erzählt er: „Mit dem Auto ist es genauso. Sie ist keinen vernünftigen Argumenten zugängig. Deswegen drehen wir uns seit einem halben Jahr im Kreis. Kein Wunder, dass sie so fertig ist!“
Sie – mit mittlerweile zwei Mittelgaben gestärkt – entgegnet ruhig: „Es begann mit dem durchaus zutreffenden Hinweis meines Mannes, dass unser derzeitiges Auto zu teuer sei. Deswegen wollte er ein günstigeres Auto anschaffen.“ Sie lächelt ihn an. „Das Auto, das er gern kaufen würde, ist aber deutlich teurer als unser jetziges Auto. Es ist größer, mit mehr Technik ausgestattet, verbraucht mehr, und es liegt 5.000 Euro über unserem Budget.“
Ihr Mann schüttelt betrübt den Kopf. „Sehen Sie – sie ist wie ein Elefant. Ständig werden olle Kamellen ausgegraben. Ich bin ja auch lernfähig. Ich habe uns ein Auto ausgesucht, das in seiner Klasse die wenigsten Pannen hat und einen hohen Sicherheitsstandard und dazu noch sehr gute Verkaufschancen! Es ist also eine deutliche Verbesserung, und der hohe Ankaufspreis wird durch den hohen Wiederverkaufswert aufgewogen. Aber das versteht sie einfach nicht.“
Sie betrachtet ihren Mann nachdenklich, nickt dann und sagt: „Gut. Kauf das Auto, wenn du es unbedingt kaufen willst.“
Er ist misstrauisch. „Wieso auf einmal?“
„Weil ich keine Lust mehr habe, meine Zeit mit diesem sinnlosen Streit zu verschwenden. Kauf es. Ich bin dagegen, aber ich gebe nach. Doch du allein trägst die Verantwortung für diesen Kauf.“
Nun wird er unsicher. „Aber ich will doch deine Meinung hören. Wir wollen doch alle Entscheidungen gemeinsam treffen.“
„Wie wir sehen, ist das in diesem Fall nicht möglich.“
Er zaudert. „Gut. Dann kaufen wir das Auto nicht.“
„Wie du willst“, sagt sie.
Er schweigt.
Vier Wochen später ist das Auto doch gekauft, und acht Wochen später ist es wegen eines Fehlers in der Elektronik einige Tage in der Werkstatt. Den Ersatzwagen fährt sie; er muss auf das Fahrrad umsteigen. Er ruft mich an und bittet um einen Termin in der Praxis. Der ist nicht nötig – denn sein Mittel ist deutlich erkennbar.

Auflösung:

Schön, dass sich so viele gemeldet haben! Die Arznei für den Ehemann wurde fast immer richtig getippt: Lycopodium. Einige mögliche Rubriken:

-    hochmütig, arrogant
-    tadelsüchtig, krittelig
-    Feigheit
-    Abneigung gegen Verantwortung
-    Wichtigtuerisch
-    Unentschlossenheit, Entscheidungen zu treffen

Die Arznei für meine Patientin ist Sepia. Vielfach wurde auch auf Staphisagria und Natrium muriaticum getippt. Staphisagria ist als einzige Arznei in der Rubrik: „Erschöpfung durch Ärger, Verdruß“ genannt, aber diese Rubrik ist nicht vollständig. Eine gut gefüllte Rubrik ist „Beschwerden durch Zorn“ (insgesamt 144 Arzneien; Sepia ist mit 2 Punkten dabei). Dennoch hat meine Patientin ihren Zorn nicht offen gezeigt, allerdings aus purer Erschöpfung. Sobald die Erschöpfung wich, bot sie ihrem Mann die Stirn, und dies auf eine ruhige, bestimmte Art, die die Entscheidungsschwäche und Unsicherheit ihres Mannes zu nutzen wusste. - Rubriken:

-    Furcht vor Verletzung
-    Seelenruhe, Gelassenheit
-    Sachlich, vernünftig
-    Schwäche, sprechen agg.


Arsenicum album und MONK

Man kann die Seele eines Arzneimittels mit vielen Worten beschreiben - oder einfach auf eine allgemein bekannte (fiktive) Persönlichkeit verweisen. Für Pulsatilla verwende ich gern Mrs. Weasley aus "Harry Potter", für Arsenicum album ist Adrian Monk, der paranoid-geniale Detektiv aus der gleichnamigen Serie, mein Favorit.

Mr. Monk weiß fast alles. Und wenn er etwas nicht weiß, ruht er nicht - weder er selbst noch seine Gedanken kommen zum Stillstand (Ruhelosigkeit: Leitsymptom von Arsenicum album). Man sieht ihn selten lächeln, und ein fröhliches, aus dem Herzen kommendes Lachen kommt ihm praktisch nie über die Lippen. (Arsenicum album ist ernst und bisweilen sogar humorlos.) Neben seinem Wissensdrang beherrschen diverse Ängste sein Leben: Mr. Monk hat Angst vor der Dunkelheit, vor Krankheitserregern, Staub, Menschenansammlungen, Höhe, Tieren. (Die Arseniker fallen insbesondere durch ihre Angst vor ansteckenden Krankheiten auf. Sie sehen die Welt als Brutstätte von pathogenen Keimen, die nur darauf warten, sich unbemerkt in ihren Organismus einzuschleichen. Sagrotan & Co. zählt daher zur Standardausstattung im arsenischen Putzmittelschrank.) Das Zuhause von Mr. Monk ist einerseits durch Erinnerungen an seine verstorbene Frau Trudi geprägt (Arsen kann sehr liebevoll sein), andererseits fehlt die persönliche Note: Ordnung ist nicht nur das halbe, sondern das ganze Leben. Alles ist an seinem Platz, der rechte Winkel dominiert das Ambiente. (Die kontrollwütigen Arseniker finden nur in der Ordnung ein Stück Ruhe und Frieden.) Weil Mr. Monk ohne seine Frau nicht zurechtkommt, lässt er sich stets von einer Assistentin begleiten, die gleichzeitig Seelentrösterin, Chauffeurin, Krankenschwester, Köchin und Mutter ist. Ihr folgt Mr. Monk auf Schritt und Tritt. (Die arsenischen Phobien werden in Gesellschaft verbessert; Arsen sucht immer die Gesellschaft.)


Gibt es mehr als ein Similimum?

Für diejenigen, die mit dem Begriff „Similimum“ wenig anfangen können: „Konstitutionsmittel“ trifft es auch.

Stellt man 10 Homöopathen diese Frage, erhält man mehrere Antworten, wie ich nun über meine Facebook-Homöopathengruppe festgestellt habe: In dieser Gruppe tauschen sich mehr als 1.000 Homöopathen aus allen Teilen der Welt aus.

Da das heilende Mittel immer das Mittel ist, das den Symptomen möglichst ähnlich ist, aber eine 100 %ige Ähnlichkeit (dann Gleichheit) nicht erreicht werden kann, können meiner Auffassung nach mehrere Arzneien heilen. Hinzu kommt, dass wir erst einige tausend Arzneistoffe geprüft haben und nur von einigen hundert Arzneien ein genaueres Arzneimittelbild erstellt haben. Insofern ist die Möglichkeit, dass das Similimum ein noch nicht geprüfter Arzneistoff ist, relativ groß – und die Wahrscheinlichkeit, aufgrund einer dann sehr langwierigen und spekulativen Anamnese auf genau diesen Stoff zu stoßen, relativ gering. In der Praxis benötigen daher viele Fälle mehrere Arzneien.

Roger van Zandvoort, der Autor des Repertoriums „Complete Repertory“, der in seiner entsprechenden Facebook-Gruppe die Frage nach dem „Einen Similimum“ diskutiert hat, hat die Antwort von David Little auf diese Frage veröffentlicht:

„… I am not sure there is any remedy that is identical to a human being's condition. Remedies are probably similar and most likely none is a perfect match as the uncertainty principle still rules. The best remedy is one that is as similar as possible to the essence nature of the case. Obviously, the more similar the better but to get a perfect fit is most likely rare. Therefore, what we see when a single
remedy cures is a remedy that was close enough to produce a full curative secondary action. Could there be more than one remedy that could do this? Perhaps. A remedy has to be close enough to the target to simulate a full reaction on a deep enough level. …”


Über das eigene Handeln in Krisen und Christian Wulff

Da nur wir selbst unsere Prioritäten im Leben setzen und nur wir selbst unsere Entscheidungen treffen, ist unser Handeln immer sehr viel aussagekräftiger als unser Denken und Erzählen: Unser Handeln zeigt, wer wir wirklich sind. Insbesondere Krisensituationen haben die Angewohnheit, die Maskierung, mit der wir uns schützen, zu lüften. So kann sich in einer Krise zeigen, dass man weitaus mutiger ist, als man selbst gedacht hat – aber auch, dass die harte Fassade einen unschlüssigen, formbaren Kern umgibt.

 

Betrachten wir die Krise, in der sich unser Bundespräsident derzeit befindet, und sein Handeln in der Krise, wird deutlich, wer hinter der Maske des konservativen und sozial engagierten Politikers und Familienvaters steckt:

 

Zunächst einmal bezieht nicht er selbst Stellung zu den Vorwürfen, die ihm gemacht werden, sondern stellt seine Anwälte an die vorderste Front. - Rubriken (Repertorium 'Synthesis'):

 

-          versteckt sich

-          Feigheit

-          Weigert sich zu antworten

 

Dann spielt er nicht mit offenen Karten, sondern versucht zu retten, was zu retten ist.

 

-          manipulierend

-          Antwortet unrichtig

 

Das Ziel seiner Handlung ist die Erhaltung seiner Position:

 

-          Furcht um die gesellschaftliche Stellung

 

Die beiden homöopathischen Arzneien, die infrage kommen, sind Veratrum album und Staphisagria.

 

Betrachten wir die anlässlich der Aufzeichnung eines ZDF-Weihnachtskonzerts auf eine dpa-Nachfrage hin geäußerte persönliche Stellungnahme:

 

Frage: Können Sie etwas sagen, wie Sie mit dem immensen Druck umgehen, der gegenwärtig auf Ihnen lastet, was alles aus Berlin an Vorwürfen gegen Sie erhoben wird?

Wulff: „Man muss selber wissen, was man macht. Das muss man verantworten – das kann ich. Und das ist das Entscheidende.

Und deswegen kann man sich wunderbar hier mit den Bürgerinnen und Bürgern unterhalten über ihre Anliegen und ihre Eindrücke von dieser hier aufgezeichneten Fernsehsendung. Die Bürger freuen sich darüber wenn man sein Amt ausübt, wahrnimmt, ernst nimmt.

Und das ist doch eigentlich das Wichtige, das Wesentliche, dass man die Dinge bewertet, beurteilt und dann dazu steht und dann auch unterscheidet, wo ist etwas real und wo ist etwas mit sehr viel Staub aufwirbeln verbunden. Das muss man voneinander trennen.“

 

Diese Aussage zeigt, dass Herr Wulff sehr viel Wert auf die Meinung der Bürger legt:

 

-          empfindlich in Bezug auf die Meinung anderer

 

Weiterhin zeigt er ein gehöriges Maß an Hochmütigkeit: Das Wesentliche sei, dass ‚man’ zwischen Realität und Staub aufwirbeln unterscheiden könne.

 

Die Arznei, die ich Herrn Wulff empfehlen würde, ist Staphisagria; nach der Einnahme würde er den Mut aufbringen können, sich klar und mit Rückgrat über den tatsächlichen Sachverhalt und seine eventuell begangenen Fehler zu äußern.

 

Eine der wichtigsten Fingerabdruck-Rubriken von Staphisagria ist:

 

-          versucht zu fliehen beim Erwachen

 

Wir finden hier also Menschen, die in einer Traumwelt leben (… „wo ist etwas real“ …) und, sobald sie mit der Realität konfrontiert werden, versuchen zu fliehen. Insofern ist die Krisensituation für Herrn Wulff eine große Chance, das edle Selbstbild tatsächlich mit Leben zu füllen.


Über das Glück einer guten Ehe

Eine über 70jährige Patientin betritt die Praxis; ihre Familie hat sie gebeten, zu mir zu kommen, weil sie seit dem Tod ihres Ehemannes vor anderthalb Jahren gelegentlich Gespräche mit ihm führt. Plötzlich riecht es angebrannt. Ich schnuppere.

„Das sind meine Haare“, bemerkt meine Patientin. „Ich habe nicht aufgepasst, sie sind beim Auspusten der Kerzen in Flammen aufgegangen. Plötzlich war da eine Stichflamme neben meinem Gesicht, und dann war es auch schon wieder vorbei. Ich glaube, die rechte Seite ist nun ein wenig kürzer als die linke Seite.“ Sie lächelt entspannt, während sie erzählt, und dann fügt sie hinzu: „Sehen Sie, der liebe Gott hat es gut mit mir gemeint. Ich konnte mich einfach für keine neue Frisur entscheiden, und jetzt ist klar, dass ich die Haare kürzer tragen werde!“

Während sie erzählt, wird ihr Lächeln immer breiter, bis sie schließlich herzlich lacht und ich eine Bemerkung über ihr sonniges Gemüt mache.

Sie setzt sich und zeigt mir ein Foto ihres verstorbenen Mannes. „Wissen Sie, ich bin so dankbar, dass ich so viele Jahre mit ihm verbringen durfte. Er war der beste Mann, den man haben konnte. Ich vermisse ihn sehr, aber ich glaube, das ist normal … und dann spreche ich mit ihm, wie ich es 40 Jahre lang gehalten habe. Es ist wie mit den angesengten Haaren: Ich freue mich lieber darüber, dass ich noch Kerzen auspusten kann.“

Ich kochte uns einen Tee, und wir unterhielten uns über das Glück einer guten Ehe. Dann ging sie – natürlich ohne Globuli.


Ignatia

Neu in den "Fachtexten": Das psychische Arzneimittelbild von Ignatia.


Nikolaus-Differentialdiagnose

Nikolaustag - und für alle passionierten Homöopathen eine gute Gelegenheit zur Differentialdiagnose der Gemütsrubriken ihrer Kinder. Bei meinem jüngsten Kind sah es wie folgt aus: Er freute sich sehr auf den Nikolaustag, weil er sich, wenn er dürfte, nur von Schokolade und Keksen ernähren würde. Da er allerdings gestern noch auf einem Hausmusikabend war, einige Stöcke schnitzen wollte und zeitgleich überlegte, wie er die Glühbirnen an den selbstgebastelten Roboter anbringen könnte, vergaß er, seine Stiefel herauszustellen.

 

-          schmiedet viele Pläne

-          erfinderisch, innovativ

-          kreativer Schaffensdrang

 

Nur zwei Arzneien sind in allen Rubriken zu finden: Sulfur und China. Da beide Arzneien ein ausgeprägtes Verlangen nach Süßigkeiten haben, betrachten wir nun die Reaktion auf das Schnitzmesser, das der Nikolaus ihm gebracht hat: Er lächelte eine lange Zeit glücklich und betrachtete schweigend das Messer.

 

-          in Gedanken versunken

-          Freude

 

Nur Sulfur ist vertreten!

 


Zur Entstehung von Krankheit

Über die Entstehung von Krankheit hat die Menschheit viele Theorien aufgestellt. Im Mittelalter herrschte die Lehrmeinung, dass Krankheit durch das Ungleichgewicht der vier Körpersäfte Schleim, schwarze Galle, gelbe Galle und Blut entstünde. Der damals als ‚aufsässig’ bekannte Arzt Paracelsus gelangte entgegen dieser Lehrmeinung zu der Erkenntnis, dass sich Krankheit durch den Einfluss der Gestirne, den Einfluss des (eigenen) Geistes, die Natur, giftige Stoffe und göttlichen Einfluss entwickele. Bemerkenswert sind insbesondere Paracelsus’ Gedanken zum Einfluss des Geistes, der Natur und der giftigen Stoffe, da er von 1524 – 1541 als Arzt praktizierte und man erst 300 Jahre zögerlich begann, an Giftstoffe als Krankheitserreger zu denken.

Über den Einfluss des Geistes auf die Entstehung von Krankheit forscht heute die Psychoneuroimmunologie, eine sehr junge Teildisziplin der Medizin. Der eigene Blick in die Welt formt die Gedanken und Emotionen, die zur Ausschüttung von Botenstoffen – u.a. Hormonen – und damit zu einer körperlichen „Antwort“ auf die Emotionen führen. Umso erstaunlicher sind Paracelsus' Ideen zum Einfluss des Geistes auf die Gesundheit knapp 500 Jahre zuvor.

In den Jahren 1830 – 1837 wütete die Cholera in Europa: Das für die Erkrankung verantwortliche Bakterium verursacht reiswasserähnlichen Durchfall und starkes Erbrechen, was unbehandelt binnen weniger Tage zum Tod führt. Der Londoner Armenarzt John Snow begann aufgrund der Choleraepidemie in London eine Untersuchung zur Ursache der Entstehung und kam schließlich zu der Erkenntnis, dass durch Fäkalien verunreinigtes Trinkwasser die Epidemie verursachte. Er konnte in akribischer Detektivarbeit sogar nachweisen, dass eine Trinkwasserpumpe in der Broad Street für viele Cholerafälle verantwortlich war. Zeitgleich forschte der Münchener Naturwissenschaftlicher und Arzt Max von Pettenkofer zur Entstehung und Verbreitung der Cholera; er glaubte, dass Cholera durch die Gasentwicklung aus der Zersetzung von Harn und Kot in feuchter Erde entstünde und über die Luft übertragen würde. Folglich forderte er den Bau einer Kanalisation. Entdeckt wurde der Cholera-Erreger 1883 von Robert Koch. – Der Einfluss „giftiger Stoffe“ auf unsere Gesundheit ist heute bewiesen, war aber zu Paracelsus’ Lebzeit für viele seiner Kollegen eine absurde Idee.

Der österreichische Lehrer, Priester und Naturforscher Gregor Johann Mendel begann 1856, mit Erbsen Kreuzungsexperimente vorzunehmen. Damit startete die Erforschung der Vererbung von Eigenschaften und Merkmalen. Heute sind seine Ergebnisse als „Mendel’sche Regeln“ bekannt; damals erregte er kaum Aufmerksamkeit.

 

Obwohl wir in den vergangenen 150 Jahren erhebliche wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zur Entstehung von Krankheit gewonnen haben, stehen wir immer noch ganz am Anfang der Forschung. Wer weiß, welches Wissen wir in weiteren 150 Jahren haben werden? Die Geschichte der Medizin sollte alle blind Gläubigen zu mehr Demut und damit zu der Erkenntnis führen, dass wir wenig wissen: Was heute gelehrt wird, kann bereits in hundert Jahren widerlegt sein.

 

Trotz der weltweiten Forschung zu solch bedeutenden Krankheiten wie Krebs wissen wir wenig bis nichts zur Entstehung. Es ist bekannt, dass einige Krebsarten vererbt werden; aber die Vererbung eines „Krebs-Gens“ führt nicht immer zur Aktivierung der Erkrankung. Ebenfalls ist bekannt, dass einige Gifte Krebs verursachen können; allerdings erkranken nicht alle Menschen, die diesen Giften ausgesetzt sind, an Krebs. Demnach muss es weitere Faktoren geben, die die Entstehung der Erkrankung auslösen, denn eine reine genetische Disposition oder ein reiner Kontakt mit krebserzeugenden Stoffen reicht nicht aus. Gleiches gilt für den Kontakt mit Viren und Bakterien, was wir in unserem Alltag eindrucksvoll erleben: Erkrankt ein Familienmitglied an einem Atemwegsinfekt, steckt er meist nicht alle anderen mit ihm lebenden Familienmitglieder an. Einige Familienmitglieder werden gar nie krank, andere brauchen nur einen geringen Erregerkontakt, um zu erkranken. Gemeinhin wird die individuelle „Immunlage“ als Erklärung herangezogen. Doch warum ist das Immunsystem einiger Menschen quasi im Tiefschlaf und das Immunsystem anderer Menschen in ständiger Alarmbereitschaft?

 

Wir Homöopathen haben einen großen Vorteil in der Beantwortung dieser Frage, denn die geistige Komponente in der Entstehung von Krankheit ist seit 200 Jahren Bestandteil der Bestimmung der heilenden Arznei. Besonders deutlich wird der erhebliche Einfluss des individuellen ‚Geistes- und Gemütszustandes’, wenn wir die homöopathische Arznei vornehmlich aufgrund eben dieses Zustandes wählen und der körperlichen Lokalsymptomatik nur wenig Aufmerksamkeit angedeihen lassen. Bereits Hahnemann stellte fest, dass der Geistes- und Gemütszustand ausschlaggebend für die Wahl der Arznei sei.

 

Wichtig ist dabei, das Wort ‚Zustand’ korrekt anzuwenden: Wir betrachten den in der Krankheit veränderten Geistes- und Gemütszustand, nicht aber den Charakter. Allein die Wortwahl und die Weise, über die Erkrankung zu erzählen, gibt bereits Aufschluss über die Psyche. Und regelmäßig werden wir feststellen, dass der mit der Erkrankung verbundene Geistes- und Gemütszustand nicht durch die Erkrankung entstanden ist, sondern bereits vor der Entwicklung der körperlichen Symptomatik vorhanden war – da allerdings noch als ‚Schatten’, also als ein Aspekt der Persönlichkeit, der verborgen war.

 

Der Schweizer Psychologe Carl Gustav Jung hat die Theorie der verschiedenen Persönlichkeitsanteile entwickelt: Demnach wird die Persönlichkeit eines Menschen aus vielen Persönlichkeitsanteilen geformt. Der ‚Schatten’ ist ein Anteil, der unerwünscht ist und deswegen unterdrückt wird. Da jeder Persönlichkeitsanteil allerdings nicht losgelöst von den anderen Persönlichkeitsanteilen agieren kann, hat die Unterdrückung Einfluss auf den gesamten Organismus – er verliert seine Balance, Krankheit entsteht.

 

Die Unterdrückung bestimmter Aspekte in der Persönlichkeit zeigt sich nach außen durch ‚Wahnideen’: In der Homöopathie beschreibt dieser Begriff ein Denkmuster, das aus einer objektiven Perspektive heraus betrachtet jeglicher realen Grundlage entbehrt. Die Wahnidee hilft, den Schatten zu schützen; sie kompensiert den Schatten.

 

Beispiel: Eine untergewichtige Frau erzählt: „Ich bin so zart, dass ich den schweren Rasenmäher einfach nicht schieben kann. Deswegen habe ich immer Streit mit meinem Mann, der das einfach nicht einsehen will, aber er muss den Rasen mähen, ich kann das nicht. Ich war schon immer sehr dünn.“ Nun mag man sich fragen, was zuerst da war: Das Untergewicht oder das Gefühl von Hilflosigkeit. Die anzuwendenden Rubriken sind:

-          Wahnidee, ist zerbrechlich

-          Gefühl der Hilflosigkeit

-          Verlangen, getragen zu werden (= möchte Unterstützung; kann nicht auf eigenen Füßen stehen)

Damit sind die infrage kommenden Arzneien auf Ignatia, Stramonium und Taxus baccata eingegrenzt, und die weitere Anamnese kann zielgerichtet den Schatten der Patientin erforschen. Wir werden im Laufe der Behandlung feststellen, dass dieser Schatten ein langjähriger Begleiter der Patientin war. Seine Unterdrückung hat im Laufe der Jahre diverse Symptome hervorgebracht, von denen das Untergewicht nur eines ist. Ein genaueres Nachfragen nach dem Verhalten der Eltern wird dann in vielen Fällen zeigen, dass ein Elternteil – im Beispiel vermutlich die Mutter – ebenfalls ein hilfloses Verhalten gezeigt hat. In vielen Jahren würden wir vielleicht wissen, dass dieses grundlegende Gefühl der Hilflosigkeit während der Schwangerschaft zu einer entsprechenden Hormonausschüttung geführt hat und damit die grundlegende ‚hilflose Stoffwechsellage’ der Patientin begünstigt hat, sie also bereits mit der „Wahnidee, ist zerbrechlich“ geboren worden ist. Aber genauso, wie eine genetische Prädisposition zur Erkrankung an Krebs noch nicht bedeutet, dass die Erkrankung tatsächlich ausbricht, wird auch das Neugeborene nicht zwangsläufig an 'ererbter Hilflosigkeit' leiden - was darauf hindeutet, dass mindestens zwei weitere Faktoren zur Erkrankung führen werden. Erstens ist dies die äußere Situation, die zur Aktivierung des Schattens führt, und zweitens - da zehn Menschen auf zehn verschiedene Arten auf die gleiche Situation reagieren - das, was Paracelsus als 'göttlichen Einfluss' beschrieb und in der Homöopathie als 'Lebenskraft' bezeichnet wird.


Wer hat Schuld?

Aus der Praxis – Spontanbericht eines Patienten zu seiner akuten Atemwegsinfektion:

 

„Nach dem Sport hat irgendein Trottel das Fenster der Umkleidekabine geöffnet, ohne dass es jemand bemerkte. Wir waren alle verschwitzt. Leider sah ich zu spät, dass ich mitten im Zug stand, ich war wohl durch Gespräche abgelenkt. Nachts ging es dann mit Fieber, Unruhe und der Husterei los.“

 

Wir erhalten nur durch diesen Bericht fünf wunderschöne Rubriken, die unfehlbar zur passenden Arznei führen:

 

  1. Wahnidee, hat Unrecht begangen
  2. Wahnidee, hat Unrecht erlitten
  3. Wahnidee, ist verletzt worden
  4. Husten nachts
  5. fiebrige Ruhelosigkeit

 

Wir sehen hier das Denken in Schuldkategorien: Weil jemand das Fenster geöffnet hat, bin ich krank. (= Wahnidee, hat Unrecht erlitten + Wahnidee, ist verletzt worden). Weil ich selbst nicht bemerkt habe, dass das Fenster geöffnet war, bin ich krank. (= Wahnidee, hat Unrecht begangen)

 

Kreuzen wir die Rubriken, bleiben lediglich drei Arzneien übrig, die in allen drei Rubriken genannt sind: Hyoscyamus, Lachesis und Naja.

 

Den nächtlichen Husten finden wir insbesondere bei Hyoscyamus und Lachesis, und die fiebrige Ruhelosigkeit eher bei Hyoscyamus.

 

Der weitere Bericht bringt die Lösung: „Ich werde durchsetzen, dass das Fenster in der Umkleidekabine nur vom Trainer mit einem Schlüssel geöffnet werden kann, damit nicht noch weiterer Schaden entstehen kann! Meiner Frau habe ich verboten, die Fenster zu öffnen, solange jemand im Raum ist.“

 

Rubrik: ‚Furcht, selbst verletzt zu werden’ – Hyoscyamus ist genannt, Lachesis und Naja nicht.

 

Es lohnt sich also, die Gemütsrubriken sehr genau zu kennen und sie auch im akuten Krankheitsfall zu nutzen, denn eine akute Erkrankung ist eine Krise, die unsere Patienten 'ohne Maske' zeigt und daher das Similimum deutlich machen kann.

 

 


Ruta und Burnout

Ruta graveolens, die Weinraute, bevorzugt karge, kalkhaltige Böden. Sie zählte bereits im Mittelalter zu den Wunderheilern unter den Pflanzen: Hildegard von Bingen empfahl sie bei Sehschwäche und Depressionen, Pfarrer Kneipp bei Verdauungsstörungen, Paracelsus verwendete sie bei Kopfschmerzen und bei Gelenkschmerzen. Als homöopathische Arznei ist Ruta vor allem für ihre hervorragende Wirkkraft bei den Folgen von Knochenverletzungen, Zerrungen und Quetschungen bekannt und daher eine Arznei, die in jeder Hausapotheke zu finden ist. Dennoch kann Ruta, wie die alten Heiler wussten, sehr viel mehr; ich setze Ruta oft für die Folgen von Leistungserschöpfung ein, denn Ruta arbeitet gern und viel, ohne ein Bewusstsein für die enorme eigene Arbeitsleistung zu entwickeln. In den "Fachtexten" gibt es nun ein Skript zu dieser Pflanze.


Wie Hund und Katze

Aus der Praxis: Ein kleines Geschwisterpärchen zankt sich um die rote Kreide. Das 5jährige Mädchen entwendet ihrem tobenden 3jährigen Bruder geschickt das Beutestück und hält es gerade so hoch, dass er trotz fortgesetzter Springversuche nicht heranreicht. Sie lächelt ihn an und sagt: „Na du doofer kleiner Kläffer! Wenn du mir versprichst, nie wieder in mein Zimmer zu gehen, wenn ich es dir nicht erlaube, dann gebe ich dir die Kreide.“

Der Kleine, der gerade den Kinderstuhl umklammert – wohl, um ihn zu werfen – wird still und überlegt. Dann wirft er sich auf den Boden und beißt seine Schwester in das Bein. Sie schreit auf, greift ihm in die Haare und zieht daran, er verbeißt sich in ihrer Hose. Sie fährt ihre Krallen aus. Die (tiefengenervte) Mutter schreitet ein und trennt die beiden voneinander. Der Junge tritt nach seiner Schwester, die sich in die Ecke hinter den Sessel verzieht und laut vor sich hin faucht. Der Junge kuschelt sich in Mamas Arme und verbirgt seinen Kopf unter ihrem Arm. Während er noch ein wenig beklagt, wie blöd seine Schwester ist, beruhigt er sich schnell. Nach einer Minute klettert er aus den Armen seiner Mutter, schleicht sich hinter den Sessel, tritt seine Schwester und rennt dann schnell weg, zurück auf Mamas Schoß.

Die Schwester bleibt, wo sie ist: zusammengekauert in der dunklen Ecke. Knurrend sagt sie: „Du bist ein ekliger Stinker!“

Wenn man solch wundervolle Szenen miterleben darf, wird die Auswahl der infrage kommenden homöopathischen Arzneien sehr klein – und selbst homöopathische Laien werden erkennen, aus welcher Quelle die Aggressionen der Geschwister gespeist werden. Das Mädchen erhält Lac felinum, die Katzenmilch, der Junge Lac caninum, die Hundemilch.

Fortan leben sie zwar immer noch wie Hund und Katze – haben aber ein Friedensabkommen geschlossen, zu dem die Respektierung der jeweiligen Reviergrenzen zählt, so dass der häusliche Frieden schließlich doch wieder einkehren kann!


Burnout

Neu in den Fachtexten: Eine ausführliche Beschreibung der Volkskrankheit "Burnout" sowie eine Vorstellung von einigen homöopathischen Arzneien, die die Heilung unterstützen können.


Software zum Repertorisieren

Während und auch noch lange nach meiner Studienzeit habe ich per Hand repertorisiert. Das ist zwar aufwändig, schult aber den Umgang mit dem Repertorium ganz hervorragend. Mit zunehmender Patientenzahl stößt das händische Repertorisieren allerdings an seine Grenzen, und so kaufte ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge eine Software, die mir das Blättern abnimmt.

 

Wer von meinen Kollegen keine x-tausend Euro in eine Homöopathiesoftware investieren möchte, aber trotzdem auf dem aktuellsten Wissensstand sein möchte und die Vorteile einer Repertorisierungssoftware mitsamt Materia Medica nutzen möchte, dem empfehle ich "Complete Dynamics": Diese Software wurde von Roger van Zandvoort, dem Autor des "Complete Repertory", entwickelt, und zeichnet sich nicht nur durch die geringen Lizenzgebühren aus (Bsp.: Eine 1jährige Lizensierung kostet monatlich 10 Euro.) Eine Browseredition wird kostenlos zur Verfügung gestellt; eine voll funktionsfähige Testversion kann man einen Monat lang testen. Link: www.completedynamics.com


Menschliche Tiere

Der Zirkusdirektor Gerd Siemoneit-Barum hat ein Buch geschrieben: "Die Kunst, mit dem Tier im Menschen umzugehen". Er beschreibt u.a. das Denken, Fühlen und Handeln einiger Zirkustiere und baut hieraus Brücken zum menschlichen Pendant. Der obligatorische Test fehlt auch nicht: "Welches Tier sind Sie?" heißt er.

 

Auszug zum Mit-Testen:

Frage: Fühlen Sie sich oft von anderen missverstanden?

Mögliche Antworten:

 

1 - Keine Ahnung.

2 - Ja, aber ich wiederhole meine Botschaft dann so oft, bis man mich versteht.

3 - Ja. Und das macht mich traurig.

4 - Ja. Und das ist mir egal.

5 - Ja, aber das ist nicht mein Problem.

6 - Nein, ich komme mit jedem prima aus.

7 - Wenn mich jemand nicht versteht, werde ich ihn ignorieren.

 

Auflösung: 1 - Löwe, 2 - Leopard, 3 - Hund, 4 - Katze; 5 - Tiger; 6 - Bär; 7 - Elefant.

 

Homöopathische Auflösung: 1 - Sulfur, 2 - Lachesis, 3 - Natrium muriaticum, 4 - China, 5 - Tuberculinum, 6 - Phosphor, 7 - Sepia.


Impfstudie des "Robert-Koch-Instituts"

In meiner Praxis beobachte ich oftmals den Zusammenhang zwischen Impfungen im Babyalter und dem Auftreten einer Hautreaktion, die nicht an der Einstichstelle liegt, 1 - 4 Wochen nach der Impfung. Da ich die Reaktion immer homöopathisch behandele, kann ich nicht sagen, ob die Reaktion auch ohne homöopathische Therapie vergeht und/oder sich verschlechtert, wenn nichts unternommen würde.
Da das Immunsystem von Babys nicht ausgereift ist und die sogenannten "atopischen Erkrankungen" (Neurodermitis, allergisches Asthma, Schuppenflechte, Heuschnupfen, allergische Darmentzündung) eine Immunkomponente haben, gehe ich von einem Zusammenhang zwischen der gängigen Impfpraxis und dem häufigen Vorkommen der atopischen Erkrankungen aus.
Nun hat sich das Robert-Koch-Institut in einer Studie u.a. mit diesem Zusammenhang beschäftigt. (Kleine Bemerkung am Rande: Die Studie wurde von Herstellern von Impfstoffen mitfinanziert.) Ergebnisse u.a.:

- Ungeimpfte Kinder in der Gruppe der Ein- bis Fünfjährigen hatten jährlich durchschnittlich 3,3 Infekte, geimpfte Kinder 4,2.
- Ebenfalls Ein- bis Fünfjährige: Anteil der Kinder mit mindestens einer atopischen Erkrankung 12,6 %, geimpfte Kinder 15 %
- Asthma: Kinder unter 10 Jahren, ungeimpft: 0%, Kinder 11 - 17 Jahre: zwei Kinder / in Summe: 2,1%. - Geimpfte Kinder: 4,6 %

Nun mag man vielleicht meinen, dass diese Unterschiede nicht so hoch seien - ABER: Als "geimpft" wurden auch die Kinder eingestuft, die nur eine einmalige Impfung im Schulkindalter hatten. Schade, dass die Studie nicht die zusätzliche Einteilung in die Kinder aufgenommen hat, die gemäß den Empfehlungen der STIKO (Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut) geimpft wurden ...

Link hierzu aus dem "Ärzteblatt": Ergebnisse Impfstudie


Charlotte Roche und "Hyoscyamus"

Mit Vergnügen beobachte ich einige aktuelle Trends – u.a. den Trend zu erotisch-pornographischer Literatur, die die Spiegel-Bestsellerlisten füllt, also nicht mehr heimlich unter dem Ladentisch gekauft wird. Die Königin dieses Romanstils ist Charlotte Roche, und die homöopathische Entsprechung ihrer literarischen Darstellungen ist Hyoscyamus, das Bilsenkraut.
Hyoscyamus war Bestandteil der berüchtigten „Hexenflug-Salbe“, ist also eine psychoaktive Pflanze. Sie wächst bevorzugt an Wegesrändern, an und in Friedhöfen, am Rande von Müllhalden, und ihre behaarte, blassgelbe, blaugeäderte Gestalt mit dem unangenehmen, süßlichen Duft zeigt unmissverständlich die Giftigkeit.

Wie ihre verwandten Nachtschattengewächse Belladonna und Stramonium beherbergt Hyoscyamus einen Mix aus den Alkaloiden Atropin, Hyoscyamin und Scopolamin. Hyoscyamus hat den höchsten Scopolamingehalt der Nachtschattengewächse; Scopolamin wirkt zunächst stimulierend und dann betäubend. Die Nähe zu manisch-depressiven Zuständen wird damit deutlich.

Hyoscyamus finden wir in der Rubrik: Verlangen, nackt zu sein. – Dieses Verlangen wird von Kindern oft noch direkt gestillt; bei Erwachsenen finden wir anstatt dessen den Hang zu freizügiger Selbstdarstellung, womit wir wieder bei Charlotte Roche wären.

Ihre drei Brüder starben 2001 durch einen Autounfall; sie waren zusammen mit ihrer Mutter unterwegs zu Charlotte’s Hochzeit.  In einem Interview mit der Zeitschrift „Brigitte“ sagt Charlotte Roche:
"Wenn man so etwas erlebt hat, kann man vielleicht keinen ruhigen Landschaftsroman schreiben”, sagt Charlotte Roche. Den Unfall aufzuschreiben, sei das Einfachste im ganzen Buch gewesen. Er ist ja ohnehin immer da in ihrem Kopf. Jeden Tag. Immer gleich. (...) „Ich habe immer noch Probleme zu verstehen, dass dies alles wirklich passiert ist. Ich weine nie und warte auf die Trauer, die nicht kommt. Ich weigere mich loszulassen. Wenn ich anfange zu trauern hilft es mir vielleicht, aber ich verliere sie gleichzeitig endgültig, das macht mich wahnsinnig." (...) Manchmal tut es gut, nur aus seinem Körper zu bestehen und sich selbst zu vergessen. "Denn Sex", sagt Charlotte Roche, "das ist der kurze Moment von Frieden." Mit Sex sei sie selbstsicher und frei. Sex ist der Trick zu sagen, guck mal, ich lebe noch. Trotzdem.“

Charlotte flüchtet sich also in den Sex. Apropos flüchten: In der Rubrik „versucht zu fliehen“ ist Hyoscyamus mit drei Punkten dabei. Glaubt man nun, dass sie durch den quasi öffentlichen Sex ihren Frieden gefunden hätte, täuscht man sich jedoch – im „Brigitte“-Interview geht es wie folgt weiter:
„Männliche Journalisten fragten sie nach Analverkehr und Selbstbefriedigung mit Duschkopf, und sie konnte ja schlecht sagen, das beantworte ich nicht, nachdem sie die Klappe im Buch so aufgerissen hatte. Und dann musste sie mit Menschen, die sie nicht mochte, über diese Dinge reden und ging nach Hause und dachte, puh, ich kotze gleich.“
Rubriken hierzu: „Beschwerden durch Verlegenheit“ und „Schüchternheit – schamhaft“ … und Hyoscyamus ist in beiden Rubriken vertreten. 

Und die Leser dieser Literatur?
Rubriken: „Klatschsüchtig“, „Indiskretion“, „neugierig“, „spioniert alles aus“ … in allen Rubriken ist Hyoscyamus enthalten ... und wenden wir uns den interessanterweise explizit als „männliche“ Journalisten geouteten öffentlichen Voyeuren zu, können wir ebenfalls eine Gabe Hyoscyamus empfehlen.


Opium

In der fragilen Schönheit der Mohnblüte erkennen wir gleichsam auch die Signatur der Pflanze: Die hohe Sensibilität auf jegliche Form der Berührung.
Opium, das homöopathische Mittel, das aus dem getrockneten Milchsaft gewonnen wird, zeigt die Empfindsamkeit auf zwei besonders einprägsame Weisen: Wir finden entweder eine auffällige Gelassenheit in Bezug auf physische und psychische Ausnahmezustände, oder wir finden eine extrem niedrige Schmerztoleranzgrenze.
Den Zustand der schmerzfreien Glückseligkeit erleben wir in der Praxis naturgegeben seltener als den Zustand des als extrem empfundenen Schmerzes ... eine Patientin, die nach einer Zahn-Operation mit geschwollenem Gesicht, aber glücklich und schmerzfrei in die Praxis kam, wollte mit der Einnahme lieber auf die Schmerzen warten ...


Fieber

Fieber: Wer lange keines hatte, wähnt sich zu Unrecht als besonders gesund. Denn Fieber ist eine zentrale Immunantwort unseres Körpers auf pathogene Keime in unserem Körper. Bleibt also die physiologische Reaktion unseres angeborenen Immunsystems aus, ist das ein Zeichen für eine Immunschwäche.
Uwe Hobohm, Professor für Bioinformatik an der FH Gießen, hat nach einer wissenschaftlichen Erklärung für die immer wieder vorkommenden Spontanremissionen bei Krebserkrankungen gesucht. Er analysierte hierfür die entsprechende medizinische Literatur der Jahre 1918 – 2004 – und entwickelte hieraus zwei interessante Thesen:
1.    Menschen mit einer Vorgeschichte mit vielen fieberhaften Infekten erkranken signifikant seltener an Krebs.
2.    Spontanheilungen bei Krebskranken stehen häufig in Zusammenhang mit einem schweren, fieberhaften Infekt.
Uwe Hobohm nimmt an, dass eine Erklärung in der Hitzeempfindlichkeit von Tumorzellen liegen könnte. Weiterhin wird durch die Erhöhung der Körpertemperatur die Ausschüttung von Antigenen angeregt, die Tumorzellen erkennen und vernichten können.
Ein Grund für das dauerhafte Fehlen von Fieber bei Erwachsenen liegt oftmals an Dauerstress: Ein permanent hoher Stresslevel führt zu einer dauerhaften Ausschüttung von Cortisol, eines Stresshormons, das – ebenso wie das künstliche Cortison – Entzündungen unterdrückt. Menschen, die dauerhaften Stress empfinden, leben also oft  in einer dauerhaften Unterdrückung ihres Immunsystems. 
Insofern sollte jedes moderate Fieber von ansonsten gesunden Menschen seinen guten Dienst leisten dürfen, ohne durch fiebersenkende Arzneien – und hierzu zählen selbstverständlich auch homöopathische Arzneien! – willkürlich unterbrochen zu werden. Gestressten Eltern, die die schlechte Laune oder gesteigerte Anhänglichkeit ihrer fiebernden Kinder nicht länger ertragen wollen, verschreibe ich bei den Fiebererkrankungen ihrer Kinder aber immer gern eine Arznei, die sie wieder gelassen stimmt, um auch die dritte Nacht mit häufigem unfreiwilligen Besuch im Kinderzimmer ohne fiebersenkende Mittel zu überstehen.


"The King's speech" und Gelsemium

Gestern sah ich den wunderbaren Film „The King’s speech“, der die persönliche Entwicklung eines Menschen durch die Unterstützung einer unkonventionellen Therapiemethode portraitiert – und gleichzeitig portraitiert er bestimmte Aspekte des Arzneimittels „Gelsemium“.

Eine der wichtigsten Rubriken von Gelsemium ist: Muskeln gehorchen dem Willen nicht, sobald er die Aufmerksamkeit abwendet.
Ich übersetze: Man versucht kraft seines Willens, sich zu einer bestimmten Handlung zu zwingen. Einige Beispiele aus der Praxis:

-    Bei starker Migräne versucht man, die Augen offen zu halten, doch die Augenlider fallen immer wieder herab;
-    Nach einem Unfall, der immer noch starke Schmerzen verursacht, möchte man den Haushalt trotzdem ohne Hilfe bewältigen, und zwingt sich zu jeder kleinen Verrichtung.

Im Film: Man kann die Anstrengung, die der Gebrauch der Stimmbänder und der Hals- und Kiefermuskulatur erfordert, förmlich fühlen: Mühselig zwingt der spätere König die Wörter durch den Hals.

Auch sehen wir hier ein Paradebeispiel an Mut: Anstatt sich zu weigern, immer wieder in der Öffentlichkeit zu sprechen, stellt sich der gehandicappte ungekrönte König der Herausforderung. Wir sehen das Gefühl der Hilflosigkeit, die immer wiederkehrende Entmutigung, die Frustration über die eigene Unfähigkeit, die Aufgabe zu bewältigen – und die beharrlichen Versuche, das Handicap zu überwinden. All dies geschieht mit einer großen Würde


Gelassenheit

Heute erhielt ich eine Lektion in Sachen Gelassenheit:
Meine Tochter hatte für eine Schulfreundin einen Kuchen gebacken, den sie heute zur Schule mitnehmen wollte. Es regnete, also fragte sie mich dreißig Minuten vor Schulbeginn, ob ich sie fahren würde. Ich war noch im Schlafanzug und räumte gerade den Küchentisch ab, schnappte mir aber schnell meine Autoschlüssel und fuhr sie und ihre beiden Brüder ins Gymnasium.

Als ich zurück nach Hause kam, stellte ich fest, dass sowohl Haustürschlüssel als auch Handy im Haus waren.
So stand ich nun also in einem schwarzen Baumwollschlafanzug, schwarzen Crocs und - immerhin! - Jacke ungeschminkt und ungekämmt vor meiner verschlossenen Haustür.

Also fuhr ich zu meiner Freundin Kirsten, um die Schule anzurufen und zu erfragen, wo denn genau meine Tochter gerade Unterricht hat. Ich fuhr zur Schule, positionierte mich vor Smillas Unterrichtsraum und erwartete zuversichtlich, dass ich in drei Minuten einen Haustürschlüssel hätte. Die Tür öffnete sich, die herausströmenden Kinder betrachteten die merkwürdige Frau in Jacke und Schlafanzug, die vor dem Klassenraum stand, und irgendwann tauchte auch meine Tochter auf, die nach einem verlegenen Blick auf mich und auf ihre grinsenden Freundinnen flüsterte, sie hätte heute leider keinen Schlüssel mit dabei.

Gut, also auf zum Sekretariat, im Schlafanzug und mit Jacke und Handtasche. Ich erklärte den drei Sekretärinnen meine Situation und erfragte den Klassenraum meines Jüngsten.  Wieder ging ich quer durch die Schule, rein in Bennets Klassenraum, die Zehnjährigen hatten zum Glück wenig Interesse an meiner Garderobe, und Bennet bedauerte gemeinsam mit mir sehr ehrlich und aufrichtig, dass auch er seinen Schlüssel nicht dabei hatte.

Zurück zum Sekretariat – ich habe ja noch ein Kind auf der Schule. Wieder stand ich am Tresen, mir wurde so allmählich sehr warm in meinem Schlafanzug, und erfragte den Klassenraum von Yannick. Das war leider nicht ganz so einfach, denn die elften Klassen haben Kurse und keine festen Räume, und die Kursbesetzungen lagen dem Sekretariat nicht vor. Auf Glück marschierte ich dann zu einem der beiden Englischkurse, quer durch die Schule, über den Pausenhof, zu einem anderen Schulgebäude, vorbei an einer Horde grinsender 14jähriger, die Treppe rauf.

Mittlerweile hatte auch ich mein Lachen wiedergefunden, und so klopfte ich an Yannicks Klassentür, entschuldigte mich bei der verdutzt dreinblickenden Lehrerin und fragte meinen Sohn, ob er zufällig seinen Haustürschlüssel dabei hätte. Nein, natürlich nicht! Aber immerhin hatte nun auch Yannicks Englischkurs Bekanntschaft mit meinem Schlafanzug geschlossen.

Drei Kinder, und gerade an diesem Tag hat keines seinen Schlüssel dabei.

Zurück zu Kirsten, Schlüsseldienst anrufen, und dann im Regen vor der Haustür warten. Sehr pünktlich tauchte der Schlüsseldienst auf, und siehe da, der Mann betrachtete mich und sagte: „Wir kennen uns doch!“
Ja, und nun kannten wir uns noch besser.

Während der anderthalb Stunden, in denen ich im Schlafanzug unterwegs war, erinnerte ich mich an ein Gedicht:

Der lila Hut
Mit 3 Jahren schaut sie sich im Spiegel an und sieht eine Königin.
Mit 8 Jahren schaut sie sich an und sieht das Aschenputtel.
Mit 15 Jahren: Sie schaut sich an und sieht die hässliche Stiefschwester des Aschenputtels. "Mutter, so kann ich unmöglich zur Schule gehen!"
Mit 20: Sie schaut sich an und sieht sich zu dick, zu dünn, zu klein, zu groß, die Haare sind zu kraus, zu glatt. Aber sie geht trotzdem aus.
Mit 30: Sie schaut sich an und sieht sich zu dick, zu dünn, zu klein, zu groß, die Haare sind zu kraus, zu glatt. Aber sie findet, sie habe jetzt keine Zeit, sich darum zu kümmern, und sie geht trotzdem aus.
Mit 40: Sie schaut sich an und sieht sich zu dick, zu dünn, zu klein, zu groß, die Haare sind zu kraus, zu glatt. Aber sie sagt, sie sei zumindest sauber, und sie geht trotzdem aus.
Mit 50: Sie schaut sich an und findet "Ich bin ich" und geht überall hin, wo sie hingehen will.
Mit 60: Sie schaut sich an und erinnert sich an alle Menschen, die sich nicht mehr im Spiegel betrachten können. Sie geht hinaus in die Welt und erobert sie.
Mit 70: Sie schaut sich an und sieht Weisheit, Lachen und Fähigkeit. Sie geht aus und genießt das Leben.
Mit 80 kümmert sie sich nicht mehr darum, in den Spiegel zu schauen. Sie setzt sich einfach einen lila Hut auf und geht aus, um sich mit der Welt zu vergnügen.


Zen ohne Zenmeister

Aus dem Buch "Zen ohne Zenmeister" von Camden Benares:
Ein Künstler steckte in einer Krise und war nahezu unfähig, weitere Bilder zu malen. In seiner Not wandte er sich an Sam, einen Therapeuten, der auf der Grundlage des Zen arbeitete. Bei der Besprechung der künftigen Therapie meinte der Künstler zur Frage des Honorars, dass er nicht viel ausgeben könne, da sein Einkommen durch die durchlebte Krise rapide gesunken sei.
Das sei kein Problem, erklärte Sam, er verlange für seine Arbeit lediglich zwei Bilder. Das eine solle den Titel "Verzweiflung" tragen und vor Beginn der Therapie gemalt werden. Das andere sollte nach beendeter Therapie entstehen, wobei er die Wahl des Motivs dem Künstler überlasse.
Als dieser das erste Bild gemalt hatte, präsentierte er es Sam, welcher es nach kurzem Betrachten ins brennende Kaminfeuer warf. Ohne ein Wort zu sagen, ging der Künstler. 
Einge Tage darauf erschien er wieder bei Sam - mit dem zweiten Bild.


Arnica

Eine der gebräuchlichsten homöopathischen Arzneien ist Arnica – viele Eltern haben diese Arznei immer griffbereit zur Stelle, wenn ihr Kind mal wieder kopfüber vom Fahrrad absteigt, beim Fußballspielen gegen das Tor rennt oder die Treppe mit einem Laufband verwechselt. Arnica ist auch eine der besten Arzneien für Muskelkater – und hier finden wir ein hervorragendes Leitsymptom: Angst vor Berührung. 

Wer schon einmal einen manifesten Muskelkater hatte, kennt diese Angst: die Muskulatur ist äußerst berührungsempfindlich. Nähert sich die Hand des Freundes zum Begrüßungsschlag den Schultern (denen man am Tag zuvor mit 20 kg-Gewichten zu Leibe gerückt ist), zuckt man zurück – bloß keine Berührung! 

In der Homöopathie übertragen wir dieses Symptom auch auf den mentalen Status. Wir finden folgende weitere Symptome:
- Sagt, er sei gesund, wenn er krank ist
- Eigensinnig, starrköpfig – erklärt, ihm fehle nichts
- Illusion, er sei gesund
- Schickt den Arzt nach Hause und behauptet, ihm fehle nichts
Arnica ist also nicht nur eine hervorragende Arznei für die Folgen von körperlichen Verletzungen, sondern auch für die Folgen von psychischen Verletzungen – und zwar immer dann, wenn man Hilfe aus tiefstem Herzen ablehnt und vehement behauptet, im Grunde genommen gesund zu sein.


Lebenswege

Wald
Mitten im Sachsenwald

Ein Waldspaziergang ist wie Meditation: Der Puls wird ruhiger und kräftiger, die Atmung tiefer, die Stresshormone reduzieren sich. 
Heute war ich im Sachsenwald unterwegs, und während ich, wie ich es oft und gern tue, den bequemen Weg verließ, um mich im Unterholz mit interessanten Entdeckungen zu vergnügen, dachte ich über Lebenswege nach. 

Während ich also entspannt über abgestorbene Äste stieg, stellte ich nach einer Weile fest, dass ich im Kreis gelaufen war: Eine kleine Lichtung kreuzte ich zum zweiten Male. 

Ich lief weiter, orientierte mich grob in Richtung Süden, ließ meinen Gedanken freien Lauf ... und landete einige Zeit später zum dritten Mal am Rande der Lichtung. Das war mir bislang noch nie passiert - auch in unbekannten Wäldern verlaufe ich mich nicht. 

Also ging ich zurück zu dem breiten, bequemen Forstweg, den ich eigentlich weitläufig umrunden wollte, und folgte ihm einen Kilometer weit in den Wald hinein ... und machte Bekanntschaft mit einer Baumskulptur und einem Augenbaum. 

Ich blieb auf dem Forstweg. Nach einem weiteren Kilometer wurde der Weg jedoch von einem umgekippten Baumstamm blockiert. Ich marschierte also ins Unterholz, um den Baumstamm zu umrunden ... und stolperte über ein Steinherz. Auf dem Rückweg begegnete ich einem Baumherzen fast an der gleichen Stelle. 

Und natürlich verpasste ich die richtige Abzweigung zu meinem Auto und landete irgendwo an einer großen Straße. Während ich ausknobelte, in welche Richtung ich gehen sollte, begann es zu regnen. Ich zog mich in den Wald zurück ... und was sah ich? Die Lichtung, die mir den Weg zu meinem Auto wies. 

Während ich nach Hause fuhr, lächelte ich über die soeben erhaltene Lektion über Lebenswege: 
1. Man muss nicht immer den bequemen Weg verlassen, um Ungewöhnliches zu entdecken.
2. Wenn du kein Ziel hast und dich treiben lässt, passierst du den gleichen Punkt im Leben wohlmöglich einige Male. 
3. Wirst du gezwungen, den bequemen Weg zu verlassen, weil er blockiert ist, entdeckst du manchmal Kostbarkeiten.
4. Wenn du dich verirrst, vertraue und orientiere dich an deinen Erfahrungen.


Ein Sulfur-Kind räumt auf

Ein Sulfur-Kind räumt auf: 
Die Autos werden nach Größe und Farbe sortiert ins Regal gestellt, mitten hinein in die dicke Kruste aus Staub und Limonade. Die Socken, zu dessen Wechsel die Mutter ihn nach tagelangem Tragen mehr oder weniger gezwungen hat, werden eingesammelt: einige liegen im Bett, andere unterm Bett, ein roter Socke hängt über dem Stuhl, der zweite rote Socken dient als Keilriemen-Ersatz im Lego-Technik-Bausatz. Das Bett, das - oh Wunder, lange nicht gesehen! - ein hellblaues Laken hat, wird geräumt: Zwei Schlafsäcke, drei Decken, Bücher, der Füller, der seit zwei Wochen fehlt, eine Banane, Bonbonpapier mit Bonbon, schon halb aufgelutscht, schmeckt aber trotzdem noch, und dann: die Fernbedienung für den Selbstbau-Roboter. 

Den hat er nicht fertigbauen können, der muss irgendwo herumliegen ... Schublade auf, Papier raus, oh, da ist die schöne Murmel, und der Dino, erstmal auf dem Bett ablegen ... aber wo ist der andere Dino? Im Kleiderschrank! Damit die Schwester ihn nicht findet! Kleiderschrank ausräumen ... da ist er. Rauf aufs Bett, denn dann kann er gleich Dino-Krieg spielen, mit den Schleich-Drachen ... die doch auch irgendwo sein müssen ... Bettkasten raus. Da ist der Roboter! Cool! Fernbedienung und Robotergerüst werden verdrahtet. Es läuft. Nun kann er Roboter-Dino-Krieg spielen. Die Murmeln sind Wurfgeschosse ... und die Wurfarme? Die liegen in der Legokiste, die im Keller ist. Runter in den Keller, Kiste holen, Kiste auskippen, Wurfarme suchen und alles, was er nicht braucht, zur Seite schieben. 

Zwei Stunden später kommt die Mutter ins Zimmer, um die Fortschritte beim Aufräumen zu begutachten. Sie kann die Tür nicht öffnen und wirft sich dagegen. Ihr Kind sitzt völlig erhitzt und glücklich auf den Schlafsäcken im Bett und schießt mit Murmeln auf eine Armee aus Schleichtieren. 
Der Fußboden ist nicht mehr sichtbar.
"Du solltest doch aufräumen!" ruft sie entsetzt.
Ihr Kind schaut sie empört an. "Hab ich doch!"


Sogyal Rinpoche: Autobiographie in 5 Kapiteln

1.
Ich gehe die Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren... Ich bin ohne Hoffnung.
Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder herauszukommen.

2.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sähe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange herauszukommen.

3.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein... aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wo ich bin.
Es ist meine eigene Schuld.
Ich komme sofort heraus.

4.
Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.

5.
Ich gehe eine andere Straße.

Sogyal Rinpoche

Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben


Lebenskrisen

Eine schwere Lebenskrise ist wie hohes Fieber: Das Immunsystem wird angeworfen, um die pathogenen Keime zu bekämpfen. 
In der Lebenskrise passiert Ähnliches: Die pathogenen Keime - also beispielsweise die seit Jahren kriselnde Partnerschaft oder der aus wirtschaftlichen Gründen gewählte, aber unpassende Arbeitsplatz - breiten sich über Wochen, Monate und Jahre aus. Anfangs ist es nur eine Grippe: leichtes Unwohlsein, man ist verschnupft, das Herz schlägt ein weniger schneller. Ach, denkt man, das geht vorüber. Eigentlich geht es mir ja gut ... Aber es geht nicht vorüber. Die Keime nisten sich in der Seele ein, vermehren sich, verursachen lokale Entzündungen: Ein Riesenkrach mit dem Partner, und man findet sich heulend im Hotelzimmer wieder; stressbedingte Einschlafstörungen, was zu Müdigkeit tagsüber führt; Schwindelanfälle mitten in der wichtigen Verhandlung. 
Nun werden Maßnahmen ergriffen: Paartherapie, getrennter Urlaub für den nötigen Abstand, Personalgespräch mit dem Chef, Durchsetzungs-Coaching ... 
Doch die Krise weitet sich weiter aus: Man redet kaum noch miteinander, und wenn, dann über die Kinderbetreuung am Wochenende oder darüber, wer einkaufen geht. Oder man bittet um Versetzung in eine andere Abteilung - egal, in welche.
Vielleicht verbessert sich die Situation nun vorrübergehend. Der Tanzkurs bringt neue Impulse. Die Paartherapie hat zu einem gemeinsamen Wochenende auf Sylt geführt, das sehr schön war. Der Wechsel in eine andere Abteilung lässt hoffen: hier wird Erfahrung endlich geschätzt. Doch der positive Wandel hält nicht lange an. Schleichend stellt sich der alte Zustand wieder ein, und schleichend breitet sich die Entzündung weiter aus. Jetzt wird die Krise auch als solche gesehen und benannt.
Endzeitstimmung kommt auf: Es hat sowieso keinen Sinn. Es wird nicht besser, sondern schlimmer, seit Jahren, und das wird sich fortsetzen. 
Über die Seele legen sich schwere, graue Wolken ... jeder Tag ist wie der Tag zuvor ... die Sonne scheint, aber man friert dennoch ständig ... der beste Freund ist jetzt das Bett ... wozu putzen? Es interessiert ja doch keinen, wie es hier aussieht ... wozu sich anstrengen? Es bemerkt ja doch niemand ... wozu überhaupt weitermachen? 

Die Lebenskrise zwingt dazu, sich in sein Innerstes zurückzuziehen und Inventur zu betreiben. All die Gedanken und Gefühle, die viele Jahre lang in Schubladen sortiert und weggeschlossen worden sind, werden nun hervorgeholt. Das ist kein Frühjahrsputz, sondern eine ausgewachsene Sanierung. Und die braucht Zeit. 
Lebenskrisen haben immer ihren Sinn. Deutlich wird er allerdings erst, wenn man alle Schubladen geöffnet und gereinigt hat und beginnt, die Sonne wieder zu bemerken. Man schaut in den Spiegel ... und sieht einen Menschen, der gewachsen ist. Nicht nur einen oder zwei Zentimeter - nein, der alte Spiegel ist nicht mehr groß genug, und vergilbt ist er auch. 
Das Leben hat sich gewandelt, weil man selbst sich gewandelt hat.


Unsozial

Aus der Praxis: Eine 11jährige Patientin, die mit Mobbing in der Schule zu kämpfen hat, weil sie als 'Streberin' verschrien ist, berichtet finster über ihre (jetzt ehemalige) Freundin:
"Sie hat hinter meinem Rücken über mich gelästert."
"Was hat sie gesagt?"
Sehr empört: "Sie hat gesagt, ich sei unsozial. Stellen Sie sich das vor. UNsozial."
"Du meinst, du bist sozial?" 
"Nein, das nicht. Sie hat den falschen Pejorativ verwendet. Es heißt nicht "UNsozial", sondern "Asozial"."


Die "Homöopathen ohne Grenzen e.V." in Sierra Leone

Der gemeinnützige Verein "Homöopathen ohne Grenzen e.V." ist seit einem Jahr auch in Sierra Leone tätig. Nach einem elf Jahre andauernden, blutigen und äußerst grausamen Bürgerkrieg benötigt dieses Land an der afrikanischen Westküste Hilfe zur Selbsthilfe. 
Der Verein wird 25 Krankenschwestern in klassischer Homöopathie ausbilden. Die Ausbildung erfolgt direkt vor Ort und umfasst ca. 360 Unterrichtsstunden. Da die medizinische Versorgung weitestgehend zusammengebrochen ist, ist die Ausbildung von Krankenschwestern, die in die Dörfer gehen, eine wichtige Basis für den Wiederaufbau der medizinischen Versorgung. 
Spenden sind immer herzlich willkommen! 
Links zum Projekt:
Verein Sierra Leone Baden-Württemberg
Homöopathen ohne Grenzen e.V., Projekt Sierra Leone
Reisebericht der "Homöopathen ohne Grenzen e.V." zur ersten Reise nach Sierra Leone