Steinboden mit Herz

Arbeitsansatz

Was ist Homöopathie?

Homöopathie ist eine Heilmethode für akute und für chronische, für physische und für psychische Erkrankungen. Sie fußt auf einer Entdeckung des deutschen Arztes Dr. Samuel Hahnemann vor rund 220 Jahren: Er befasste sich mit der Frage, warum die Chinarinde in der Lage ist, Wechselfieber zu kurieren. Zu diesem Zweck nahm er selbst Chinarinde ein - und entwickelte Symptome, die das Wechselfieber begleiten. Es dauerte jedoch noch einige weitere Jahre, bis Dr. Hahnemann den Leitsatz der Homöopathie formulierte: Similia similibus curentur - Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt.
Als Beispiel sei hier die Wirkung der Zwiebel genannt: Beim Schneiden der Zwiebel brennen und tränen die Augen, und die Nasenschleimhäute sondern ein dünnflüssiges Sekret ab. Wird die Zwiebel zu einer homöopathischen Arznei verarbeitet, ist sie ein hervorragendes Akutmittel gegen Heuschnupfen – der häufig mit den oben beschriebenen Symptomen des Zwiebelschneidens einhergeht. 
Da die Homöopathie mehrere hundert gut geprüfte Arzneien zur Verfügung hat und die homöopathische Forschung zudem weltweit laufend weitere Arzneien prüft und uns damit zugänglich macht, ist das wichtigste Werkzeug eines jeden Homöopathen die „Anamnese“, sprich: das Gespräch. Denn die homöopathische Arznei, die Ihre Erkrankung heilt oder spürbar lindert, ist die Arznei, die Ihren Symptomen am ähnlichsten ist. Aus diesem Grund erfragen wir Homöopathen Ihre Symptomatik bis in das kleinste Detail. Im akuten Fall dauert die Anamnese manchmal nur ein oder zwei Minuten, im chronischen Fall müssen Sie mehr Zeit mitbringen, in der Regel ca. eine bis anderthalb Stunden. Besonders komplexe Krankengeschichten erfordern unter Umständen auch zwei und mehr Stunden Gesprächszeit. Lesen Sie hierzu gern auch unter dem Stichwort „Anamnese“ nach.

Homöopathie in der Tiefe:
Homöopathie ist nicht nur eine Heilmethode, sondern gleichsam auch eine besondere Sicht auf die Entstehung von Krankheiten und – damit Hand in Hand gehend -: auf die Erhaltung und Wiederherstellung von Gesundheit. Die Homöopathie ist damit gleichzeitig Weg und Ziel. Krankheit entsteht niemals „aus dem Nichts“ heraus. Krankheit ist immer ein Prozess. Und genauso ist die Gesundwerdung ein Prozess. Am Anfang einer jeden chronischen Erkrankung stehen negative Emotionen und Gedanken. Beides ist in der Regel die Reaktion auf einen widrigen Lebensumstand oder einen als widrig empfundenen Lebensumstand. Emotionen lösen jedoch auch physische Reaktionen aus. So beeinflussen unsere Gedanken und Gefühle unseren gesamten Stoffwechsel. Viele kennen die (akuten) körperlichen Reaktionen auf akuten Stress wie Lampenfieber, Angst oder Zorn, aber selbstverständlich führt auch chronischer Stress zu physischen (chronischen) Veränderungen. Die Homöopathie trägt dieser Tatsache auf besondere Weise Rechnung, denn wir Homöopathen wählen Ihre Arznei immer auch aufgrund der von Ihnen gezeigten und erläuterten Gedanken, Gefühle und Empfindungen. Insofern ist die Homöopathie eine Heilweise, die jeden Menschen als Individuum wahrnimmt. Sie sind einzigartig, und so ist auch Ihr homöopathischer Gesundwerdungsprozess einzigartig.

Die homöopathische Anamnese

Das Ziel der Anamnese ist es, ein möglichst umfassendes Bild von Ihnen zu erhalten. ‚Von Ihnen‘ – das bedeutet: Von Ihren aktuellen körperlichen Symptomen, aber auch von früheren Symptomen, von dem, was Sie mental beschäftigt, von den hierdurch ausgelösten Gefühlen und von Ihren grundsätzlichen Empfindungen. Würde ich mich nur mit Ihrer körperlichen Symptomatik auseinandersetzen, würde ich Ihnen nicht gerecht werden: So ist es homöopathisch zwar wichtig zu wissen, dass die Gelenkschmerzen nachts oft unerträglich sind und dann selbst die Bettdecke zu schwer erscheint, aber zur Wahl der für Sie besten Arznei möchte ich auch nachempfinden können, wie Sie sich fühlen, wenn diese Schmerzen auftreten. Haben Sie Angst? Wenn ja, wovor? Welche Gedanken kommen auf? Was tun Sie – bleiben Sie einfach liegen? Oder stehen Sie auf? Bessert Gesellschaft Ihren Zustand? Oder möchten Sie lieber allein sein? 

Ihr Handeln, Fühlen und Denken ist ein Teil von Ihnen und daher ebenso wichtig wie die körperliche Symptomatik. 

Ein weiterer wesentlicher Teil der Erstanamnese ist die konventionelle Diagnostik mitsamt allen hieraus erhaltenen Befunden und Verordnungen. Bringen Sie also bitte Kopien Ihres Blutbildes, Ihres Lungenfunktionstestes, Ihrer Arztberichte etc. mit, und denken Sie bitte auch daran, Ihre Medikamente mitzubringen oder Handelsnamen und Dosierungsanleitung genau zu notieren. Dies gilt auch für bisher erhaltene homöopathische Arzneien.

Die homöopathische Therapie von psychischen Erkrankungen

Viele meiner Patienten, die mich aufgrund einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung aufsuchen, bringen eine lange Leidensgeschichte mit. Insbesondere die „Posttraumatische Belastungsstörung“ wird häufiger über viele Jahre lang nicht als solche diagnostiziert, weil die körperliche Symptomatik zu unspezifisch ist und die Lebensführung ‚zu stabil‘. Auch die bipolare Störung wird nicht immer als solche erkannt, sondern zunächst als reine Depression diagnostiziert und behandelt, da die hypomanischen oder manischen Phasen vom Betroffenen oftmals als „gesunde Phase“ erlebt werden. Insofern weist die Krankengeschichte meiner Patienten in der Regel diverse Klinikaufenthalte sowie psychotherapeutische und medikamentöse Maßnahmen auf. 

Die größte Angst, die mir zu Beginn der homöopathischen Therapie begegnet, ist die Angst vor dem Absetzen der Medikamente. Das Absetzen der Medikamente ist allerdings nicht nötig, sondern ist sogar kontraindiziert. Der Weg der homöopathischen Behandlung geht über eine Stabilisierung der Psyche, die dann in Folge zu einer leichteren Medikation führt, die Sie mit Ihrem Psychiater besprechen. Sehr gern arbeite ich auch mit Ihrem Psychiater und/oder Psychologen oder Traumatherapeuten dergestalt zusammen, dass ich über unsere Termine kurze Berichte verfasse und wir uns über den Behandlungsverlauf regelmäßig austauschen. 

Einige meiner Patienten haben nach langjähriger mehr oder weniger erfolgloser medikamentöser Therapie u.a. aufgrund der Nebenwirkungen entschieden, keine Medikamente mehr einzunehmen, und haben versucht, alternative Heilungswege zu finden. Auch diese Behandlungen stehen einer (zusätzlichen) homöopathischen Behandlung nicht im Wege, im Gegenteil - wer heilt, hat Recht.

Heilung durch das „Nichts“ – nur Placebo-Effekt?

Die Versuche, die Wirksamkeit der homöopathischen Arzneien wissenschaftlich zu belegen, sind – je nach Versuchsumfeld, -aufbau und –interpretation - entweder gelungen oder gescheitert. 

Gelungen ist dem renommierten „Indian Institute of Technology (IIT) im Jahr 2010 der Nachweis, dass in Hochpotenzen noch Nanopartikel der Ausgangssubstanz vorhanden sind. Untersucht wurden sechs Metalle in den Potenzen C6, C30 und C200. (Mehr hierzu inklusive einiger interessanter Diskussionsbeiträge: Artikel des DZVhÄ) Ob Nanopartikel nun ausreichend sind, um – ggfs. über den sog. „Hormesis-Effekt“ – eine positive Reaktion auszulösen, muss noch erforscht werden. 

Als objektiven Versuch, die Wirksamkeit der Homöopathie zu beurteilen, werte ich eine vom ‚Eidgenössischen Bundesamt für Sozialversicherung‘ (Schweiz) in Auftrag gegebene Studie aus dem Jahr 2005. In diese Studie flossen 22 Reviews zur Homöopathie ein. Ergebnis: Die Wirksamkeit der Homöopathie wird als „wahrscheinlich“ beschrieben. Link zur Studie: Health Technology Assessment - Bericht Homöopathie

Zitat aus der o.g. Studie: „In der Zusammenschau der Studienergebnisse fanden 20 von 22 Reviews zumindest einen Trend zugunsten der Homöopathie. Fünf dieser Literaturstudien zeigten Ergebnisse, die nach unserer Einschätzung sogar einen deutlichen Beleg für die Wirksamkeit der homöopathischen Intervention ergaben. Lediglich in 2 (von 22 Reviews) war kein positiver Nachweis für die Wirksamkeit der homöopathischen Behandlung zu erkennen.“

Häufig höre und lese ich (jüngst in der Zeitschrift GEO, August 2011), dass die Wirkung der Homöopathie eventuell lediglich auf einem Placebo-Effekt beruhen würde, der seine Ursache u.a. in der ausführlichen Anamnese hätte: Die Patienten fühlen sich gesehen und verstanden, was zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte führt. – Ja, zu einem Teil beruht die Wirkung der Homöopathie auf der reinen Einnahme einer Arznei (= der eigentliche Placebo-Effekt: durch den Glauben, dass die Arznei hilft, wird die Selbstheilung aktiviert) und auf der menschlichen Zuwendung durch den Homöopathen. 
Aber: Dieses Argument kann nicht für die homöopathische Therapie von Babys, Kindern und Tieren gelten! Im Gegenteil: Die meisten Kleinkinder, die einer ein- bis anderthalbstündigen Anamnese beiwohnen, sind nach einiger Zeit mindestens gelangweilt, eher noch genervt. Und auch Schulkinder haben in der Regel wenig Lust, eine Stunde lang Fragen zu beantworten. Sie fühlen sich nicht etwa verstanden und gesehen, sondern im Gegenteil von wichtigeren Beschäftigungen ferngehalten. 
Insofern ist die homöopathische Arznei in ihrer Wirksamkeit nicht auf den Placebo-Effekt angewiesen.

Ist dies eine klassisch-homöopathische Praxis?

Mein 4jähriges Homöopathiestudium basierte auf der klassischen Homöopathie, sprich: auf den Grundlagen, die Samuel Hahnemann schuf und die von den ihm nachgefolgten großen Homöopathen ausgebaut wurden (z.B. Kent, Boger, Bönnighausen, Allen, Nash).

 

Neuere Ansätze zum Verständnis und zur Anwendung der Homöopathie verfolge ich mit großem Interesse. Dabei handelt es sich insbesondere um die „Empfindungsmethode“ des indischen Arztes und Homöopathen Rajan Sankaran, die weltweit auf ein großes Echo stößt, sowie um den Ansatz des holländischen Homöopathen Jan Scholten, der das Periodensystem der Elemente in homöopathische Arzneimittelbilder "übersetzt“ hat. Auch Jan Scholtens Gedanken finden weltweit großen Anklang, und international arbeiten bereits viele Homöopathen auf der Basis der Ansätze Sankarans und Scholtens. Weiterhin möchte ich die Brüder Yogesh und Sanjay Sehgal nennen, die die Ideen ihres zwischenzeitlich verstorbenen Vaters weiterentwickeln. Hierbei handelt es sich um den Gedanken, Arzneien ausschließlich aufgrund des mentalen Zustandes zu verschreiben – was die Doktoren Sehgal in ihrer indischen Klinik erfolgreich praktizieren und weltweit lehren. 

Dennoch bin ich der Ansicht, dass nur Dr. Sankaran nach der Sankaran-Methode praktizieren kann und nur die Doktoren Sehgal Sehgal-Homöopathen sein können. Insofern praktiziere ich nach meinem eigenen Ansatz, der auf den klassischen Lehren basiert, einige „moderne“ Elemente integriert – und im Ganzen „Homöopathie nach der Hofmann-Methode“ ist.