Steinboden mit Herz

Jeder Kopf ist eine Welt

In der Homöopathie beschreiben wir einen "gesunden Zustand". Im Fall von körperlichen Erkrankungen ist dieser Zustand leicht definiert. Wenn das Bein gebrochen ist und der Bruch schmerzt, dann ist der gesunde Zustand das schmerzfreie heile Bein. Weil die Abweichung vom gesunden Zustand so leicht zu definieren ist, ist auch das passende homöopathische Mittel schnell gewählt (nämlich Ruta, eventuell in Verbindung mit Arnica und Calendula).

 

Wie aber sieht es mit psychischen Leiden aus? Der gesunde Zustand ist auch hier schnell definiert: Glück, Gelassenheit, Frieden, Liebe - ein Zustand, der den wenigsten Menschen geläufig ist, und wenn, dann nur als Ausnahme und in besonderen Situationen. Viele müssen lange überlegen, wenn ich sie frage, wann sie das letzte Mal Frieden und Gelassenheit empfunden haben - oder gar Liebe und Glück. 

 

Frieden, Gelassenheit, Liebe und Glück sind unser gesunder Seelenzustand! Unsere typischen Alltagsgefühle sind von diesem gesunden Seelenzustand allerdings weit entfernt - und wir reagieren auf negative Gefühle oft automatisch mit Forderungen an das Außen:

"Damit es mir besser geht, muss mein Mann endlich lernen, pünktlich zu kommen/sich mitzuteilen/freundlicher zu sein/großzügiger zu sein/mich zu respektieren." 

"Damit es mir besser geht, muss mir mein Arbeitgeber ein höheres Gehalt zahlen." 

"Damit es mir besser geht, muss meine Freundin sexuell aufgeschlossener werden." 

Was tun wir also? - Wir geben den Schlüssel zu unserem Glück in fremde Hände! Wir erwarten von unserer Partnerin, unserem Chef, unseren Kindern, dass sie ihr Verhalten an unsere Vorstellungen anpassen! Und glauben immer, dass unsere Vorstellungen gut, richtig und wahr sind. 

 

Die Forderungen und Erwartungen an Andere formulieren wir ähnlich auch an uns selbst: 

"Ich wäre glücklicher, wenn ich zehn Kilo weniger wiegen würde. Ich bin zu dick und fühle mich unattraktiv." 

"Ich bin erfolglos, ein beruflicher Versager. Das liegt daran, dass ich zu freundlich bin und zu schnell nachgebe." 

"Ich bin ein schlechter Vater. Meine Kinder sehen mich praktisch nur am Wochenende. In der Woche komme ich meist spät nach Hause, und oft bin ich angespannt und nehme mir nur wenig Zeit für sie." 

 

 

In unseren Köpfen malen wir Märchenwelten - Idealbilder unseres Lebens und der Menschen in unserem Leben. Wir formulieren, wie das Leben und die Menschen darin sein sollten - und scheitern immer wieder an der Realität. Im Urlaub regnet es, der Chef befördert dich nicht, dein Sohn will nicht studieren, dein Mann flirtet fremd, dein Gewicht ist zu hoch, deine Füße zu krumm, ... Und wir reagieren wie Don Quijote, der gegen die Monster kämpft, die das eigene Gehirn erschaffen hat. 

 

In unserem Gespräch dreht es sich also um folgendes:

- Wie sieht deine Märchenwelt aus? 

- Wie sieht die Realität aus? 

- Was hast du dazu beigetragen, dass die Realität ist, wie sie ist? 

- Was ist Realität, was ist Vorstellung? (Oft ist das nicht klar, denn das, was wir schon seit dreißig Jahren glauben, halten wir für wahr. Wir hinterfragen unsere Gedanken nicht mehr.)

- Wie ginge es dir, wenn du deine Vorstellungen veränderst? Wer könntest du sein ohne den Gedanken, der dich leiden lässt? 

 

Ich öffne im Gespräch neue Türen in deinem Kopf - mit dem Ergebnis, dass du dein Leben und dein Leiden aus einer anderen, selbstbestimmten und bewussten Perspektive betrachten kannst.